Senioren: Auch im Alter sicher am Steuer

[08.03.2019] Bonn. Ein Verkehrsunfall in Großbritannien, bei dem der 97-jährige Prinz Philip am Steuer saß, hat auch in Deutschland eine Debatte ausgelöst: Soll es den Führerschein weiterhin auf Lebenszeit geben?

Oder wäre ein Test ab einem gewissen Alter sinnvoll?

Bei Brummifahrern wird in Deutschland bereits geprüft: Diese müssen sich nach dem 50. Geburtstag alle fünf Jahre ihre Fahrtüchtigkeit von einem Arzt bescheinigen lassen. 

Zeitlich unbegrenzt gilt der Führerschein nur noch in Deutschland, Frankreich, Belgien, Österreich, Polen und Bulgarien. Alle anderen EU-Länder prüfen auf verschiedenen Wegen die Fahrtauglichkeit im Alter.

Das Bundesverkehrsministerium sieht aktuell keinen Bedarf für eine neue gesetzliche Regelung. Insofern stellt sich älteren Menschen die Frage, ob oder wann sie auf die individuelle Mobilität mit dem eigenen Auto verzichten können? 

Mehr schuldhafte Unfälle im fortgeschrittenen Alter

Der Blick in die Unfallstatistik zeigt: Mit dem Alter steigt die Gefahr, einen Unfall beim Autofahren zu verursachen. Waren über 64-jährige Pkw-Fahrer 2017 in einen Unfall verwickelt, trugen sie zu zwei Dritteln die Hauptschuld.

Bei den mindestens 75-Jährigen wurde drei von vier unfallbeteiligten Pkw-Fahrern die Hauptschuld am Unfall zugewiesen. Die Hauptursachen für die Unfälle der Älteren sind missachtete Vorfahrt oder Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren.  

Gesundheitschecks als Chance

Angehörige sehen es häufig als Erste, wenn sich bei Familienmitgliedern allmählich Beeinträchtigungen beim Fahren einschleichen. Sie sind deshalb besonders gefragt, die Betroffenen auf die damit verbundenen Risiken hinzuweisen.

Typisch sind ein Nachlassen der Seh- und Hörkraft sowie eine verminderte Reaktionsfähigkeit. Dies kann die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.

Um Klarheit über den eigenen Gesundheitszustand zu erhalten und auch rechtzeitig gegensteuern zu können, ist ein regelmäßiger freiwilliger Gesundheitscheck beim Hausarzt hilfreich.

Die Möglichkeit eines Online-Tests der Seh-, Hör- und Reaktionsfähigkeit bietet der Deutsche Verkehrssicherheitsrat unter www.dvr.de/schulterblick. Der Test vermittelt einen ersten Eindruck, ersetzt aber nicht den Besuch beim Arzt.  

Arzneimittel: Achtung bei Multimedikation

In Deutschland nehmen etwa 40 Prozent der über 65-Jährigen fünf oder mehr rezeptpflichtige Arzneistoffe ein. Eventuelle Wechselwirkungen der Präparate und mögliche Beeinträchtigungen der Fahrtüchtigkeit sollten mit dem Arzt abgeklärt werden.  

Fahrsicherheitstrainings: Praxisorientiert für den Alltag

Für Senioren, die jahrelange Erfahrung im Straßenverkehr haben, ist Autofahren oft zu einer Routineangelegenheit geworden. Ein Training oder eine Fahrt mit einem Fahrlehrer können trotzdem hilfreich sein.

Bei einem Fahrsicherheitstraining lernen die Teilnehmer, richtig mit unerwarteten Situationen im eigenen Auto umzugehen. Sie erfahren außerdem, wie sich mit einfachen Tipps der automobile Alltag einfacher gestalten lässt.    

Elektronische Helfer im Auto: Fahrerassistenzsysteme

Moderne Fahrerassistenzsysteme können bei Fahraufgaben unterstützen und tragen dazu bei, die individuelle Auto-Mobilität nicht nur älterer Menschen sicherer zu gestalten. Besonders empfehlenswert ist dabei der Tote-Winkel-Assistent oder der Notbremsassistent.                  

Letzte Änderung: 08.03.2019Webcode: 0123773