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Autolicht – hell, intelligent, präzise

Beim Licht-Test überprüfen die Kfz-Profis Scheinwerfer und Heckleuchten. Foto: Hella KGaA Hueck & Co.

So sieht die Zukunft aus: Es ist dunkel, es nieselt, die Baustellenführung flirrt und verwirrt.

Plötzlich tauchen wie aus dem Nichts auf die Fahrbahn projizierte Linien auf, die sicher durch den Engpass leiten.

Das Autolicht denkt, der Fahrer lenkt.

Die Zukunft heißt "Digital Light", ein Dauerfernlicht, das wie ein Beamer funktioniert. Über zwei Millionen Lichtpunkte leuchten die Straße extrem präzise und hell aus, ohne andere zu blenden.

Verkehrszeichen, Zebrastreifen, Navigationshinweise oder Verkehrsleitlinien werden auf der Straße abgebildet. Das digitale LED-Licht in HD-Qualität will Mercedes 2020 serienmäßig auf die Straße bringen.

Es sind Licht-Innovationen wie diese, die das Autofahren Jahr für Jahr in Quantensprüngen erleuchtet. Halogen, Xenon, Laser, LED – die Lichtquellen und ihre Funktionen bringen vor allem in der Dunkelheit, in der das Unfallrisiko um ein Fünffaches höher ist als tagsüber, mehr Sicht und Sicherheit.

Dabei lautet der Wettbewerb längst nicht mehr: immer heller und weiter, sondern intelligenter und präziser. Das Autolicht von heute und morgen.

Xenon geht, LED bleibt

Halogen-Scheinwerfer haben immer noch ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis. „Kombiniert mit einem Lichtsteuergerät lassen sich damit viele Funktionen eines modernen Frontlichtsystems darstellen", sagt Andreas Zühlke, Leiter Technisches Training an der Akademie Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (TAK).

Und: „Im Vergleich zu LED-Scheinwerfern sind sie immer noch unschlagbar günstig."

Xenon, noch vor ein paar Jahren hoch gelobt, wird dagegen über kurz oder lang ausdienen. Carsten Aring von Hella Gutmann Solutions rechnet damit, dass 2020 nur noch etwa sechs Prozent der Scheinwerfer-Neuentwicklungen auf der Xenon-Technologie basieren.

„Im Vergleich zur LED-Technologie bietet Xenon weniger Funktionalität und Designmöglichkeiten. Zudem ist die Lebensdauer von Xenonbrennern deutlich kürzer."

Wer also heute ein besonders helles, flexibles und blendfreies Frontlicht will, wählt LED.

Über 1 000 Lichtpunkte sind mit 84 LEDs in der neuen E-Klasse von Mercedes pro Scheinwerfer einzeln ansteuerbar. Sie lassen sich automatisch dimmen sowie ein- und ausschalten. Bestimmte Bereiche auf der Fahrbahn können so genau ausgeblendet oder ausgeleuchtet werden.

Und im Dimm-Modus treffen die Lichtpunkte beispielsweise Verkehrsschilder sichtbar, aber ohne blendende Reflexionen. Die nächste Stufe ist "Digital Light". 

Laserlicht wird aktuell als präzise strahlendes Zusatzfernlicht in Top-Modellen von Audi und BMW eingesetzt. Die teure Technik macht eine sehr hohe Lichtintensität möglich.

Neue Anforderungen an Werkstätten

Technik, auf die sich die Kfz-Meisterbetriebe beim Prüfen und Justieren einstellen müssen. Mit Wissen, Geräten, mehr Zeit und im Zuge der neuen HU-Scheinwerferrichtlinie zertifizierten Arbeitsplätzen.

Die Prüfung der komplexen Lichtsysteme im Rahmen von Hauptuntersuchung, Inspektion oder des jährlichen Licht-Tests von Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe und Deutscher Verkehrswacht ist dabei noch die leichteste Übung.

Aring: „Die Hauptlichtfunktionen – Abblend-, Fern- und Nebellicht – können mit einem gut gewarteten analogen Scheinwerfer-Prüfgerät getestet werden.

Es ändert sich ja nicht die gesetzlich vorgeschriebene Lichtverteilung, sondern die Lichtquelle. Allerdings wird es schwieriger, die Hell-Dunkel-Grenze korrekt zu überprüfen und einzustellen. Die Tester müssen sich mit über 70 unterschiedlichen Abblend-Charakteristika und diversen Farbsäumen auskennen."

Das Einstellen der Hightech-Beleuchtung kann abhängig vom Lichtsystem etwa 150 Euro und mehr kosten. „Die Techniker benötigen digitale Diagnosetester, die Fehler auslesen und die Steuergeräte in den Einstellmodus bringen", erklärt Zühlke.

„Hinzu kommt, dass viele der neuen Lichtfunktionen wie das dynamische Kurvenlicht mit Kamerasensoren arbeiten, deren Funktion eine präzise Ausrichtung der Hinterachse erfordert. Da werden unter Umständen Achsvermessung und Spurkorrektur fällig."

Die gute Nachricht für Autofahrer: Das Überprüfen der Beleuchtung während des Licht-Tests im Oktober ist nach wie vor kostenlos. Die Werkstätten stellen jedoch den Aufwand für langwieriges Einstellen komplexer Scheinwerfer-Systeme sowie Ersatzteile und deren Einbau in Rechnung.

Dieser Aufwand sollte jedem Autofahrer die eigene Sicherheit und die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer wert sein.

Letzte Änderung: 29.09.2017Webcode: 0115529